Wenn die Triebwerke am Flughafen München für wenige Stunden verstummen, erwacht hinter den Kulissen eine hochmoderne Flotte zum Leben. Das Ziel ist ein logistischer Sprint gegen die Zeit: Bis zum ersten Boarding am Morgen müssen die weitläufigen Terminalflächen makellos sauber sein.

Die Mission lautet „Breaking 45000“: Satte 45.000 Quadratmeter Terminalfläche müssen autonom und hochpräzise gereinigt werden. Ein ambitioniertes Vorhaben, das die Dorfner Gruppe seit April 2026 Nacht für Nacht in die Tat umsetzt. Mit einer Flotte aus zwölf autonomen Hightech-Robotern reinigt das Unternehmen innerhalb nur einer Schicht eine Fläche von der Größe von sechs Fußballfeldern – und setzt damit neue Standards im europäischen Facility Management.
Wir haben unsere Experten bei der Nachtschicht begleitet und die Mission „Breaking45000“ aufgezeichnet:
Vom Testlauf zur europäischen Spitzenklasse
Der Weg zur autonomen Reinigung eines kompletten Terminals war ein strategischer Marathon. Was 2013 mit Markttests begann, nahm 2021 mit ausgereifter Technik Fahrt auf. Am Flughafen München startete das Projekt im Dezember 2022 mit zunächst zwei Robotern. Nach einer ersten Erweiterung im Februar 2023 ist seit April 2026 schließlich die volle Flotte im Einsatz.


„Gerade bei Großflächen zeigt sich der enorme Mehrwert der Robotik. Die autonomen Maschinen reinigen sehr zuverlässig und mit einer gleichbleibend hohen Qualität“, betont Adrian Hoffmann, Head of Robotics bei Dorfner. Während Roboterflotten in Fernost bereits zum Alltag gehören, leistet Dorfner hier echte Pionierarbeit für europäische Flughäfen.
Die Roboter-Crew: spezialisiert und sicher
Da sich die riesige Fläche in höchst unterschiedliche Areale aufteilt, setzt Dorfner auf einen spezialisierten Mix aus modernen Scheuersaugmaschinen:
- Große Reinigungsroboter sind als leistungsstarke Arbeitstiere für kilometerlange, breite Flure konzipiert.
- Schmale Roboter schlängeln sich präzise durch enge Gänge und Stuhlreihen an den Gates.


Dabei hat die Sicherheit der Passagiere oberste Priorität. Die Roboter nutzen ein ausgeklügeltes Kamerasystem zur Rundum-Überwachung. Erfassen die Sensoren ein Hindernis, verringert die Maschine automatisch ihre Geschwindigkeit bis hin zum sofortigen Stillstand.
Kreislauf-Filtration spart Hälfte des Wassers
Auch ökologisch überzeugen die Roboter: Sie fahren komplett chemiefrei und reinigen ausschließlich mit entmineralisiertem Wasser. Ein internes Recyclingsystem filtert das Wasser permanent während der Fahrt. Erst wenn der Reinheitsgrad nicht mehr ausreicht, wird die Dockingstation angesteuert. Dieser smarte Kreislauf steigert die Reinigungskapazität pro Tankfüllung um das Zwei- bis Zweieinhalbfache.


Hand in Hand: Mensch und Maschine
Ein oft gehörtes Vorurteil räumt Adrian Hoffmann vehement aus dem Weg: „Die Roboter sind nicht dafür da, Menschen zu ersetzen – sie sind eine moderne Unterstützung für unser Team. Sie nehmen unseren Mitarbeitenden die monotone Flächenreinigung ab und schaffen Freiräume für anspruchsvollere Aufgaben.“
Wer beispielsweise früher stundenlang auf einer Aufsitzmaschine Bahnen ziehen musste, kann heute als Operator die Roboter-Flotte betreuen und parallel sensible Hygienebereiche wie die Sanitäranlagen reinigen. Die gewonnene Zeit fließt somit direkt in die sorgfältige Detailpflege.
Strenge Hürden und die Blaupause für die Zukunft
Ein solches Pionierprojekt ist kein Selbstläufer. Zu den größten Herausforderungen im Vorfeld zählten die hohen Anforderungen an IT-Sicherheit und Datenschutz am Flughafen. Erst nach strengen Prüfungen konnte es losgehen.


Auch die Praxis bringt Überraschungen: Durch den Schmutzeintrag von jährlich 40 Millionen Passagieren finden sich in den Auffangbehältern regelmäßig verloren geglaubte Eheringe, Kettchen oder Zahnspangen.
Das Fazit fällt durchweg positiv aus: Der Kunde ist begeistert, die Böden strahlen. Für die Dorfner Gruppe ist dieses Projekt die perfekte Blaupause für weitere Großobjekte – in den nächsten fünf bis zehn Jahren sollen langfristig alle geeigneten Flurflächen automatisiert werden.

